23. Kongress für Familienunternehmen

B02 - Familienunternehmen und Unternehmerfamilien als Bekämpfer sozialer Krisen SeniorGen & MidGen - Referierende: Stephan Kohorst, Prof. Dr. Heiko Kleve, Michael Boecker

 

Unternehmerinnen und Unternehmer sind immer auch Gesellschaftsgestalter/innen mit sozialer Verantwortung. Sie schaffen Arbeitsplätze, unterstützen regionale Entwicklungen und innovieren mit ihren Produkten und Dienstleistungen. Damit tragen sie grundsätzlich auch zur Prävention sozialer Krisen bei, sorgen also dafür, dass Menschen einer Erwerbsarbeit nachgehen können, dass sie ausgebildet werden und in sozialen, etwa betrieblichen Bezügen menschliche Anerkennung erfahren.

In unserem Workshop wollen wir anhand von Beispielen zeigen, dass soziales Engagement von Unternehmerinnen und Unternehmern noch viel weiter gehen kann. Unternehmerisches Handeln kann explizit als soziale Gesellschaftsgestaltung verstanden werden, wenn es dazu beiträgt, dass gesellschaftliche Probleme gelöst werden und von diesen Problemen betroffene Menschen nachhaltige Unterstützung erfahren. Diesbezüglich geht es darum, die soziale Krisenintervention nicht nur von staatlichen Institutionen zu erwarten, sondern als engagierte/r Unternehmer/in selbst aktiv zu werden. Dazu können innerhalb des Unternehmens Projekte initiiert werden, die Menschen einbeziehen, die gemeinhin von klassischer Erwerbsarbeit ausgeschlossen sind. Oder es werden regionale Modellaktionen gestartet, in denen von der Gesellschaft an den Rand gedrängte Menschen, etwa Kinder und Jugendliche armer Familien, durch Mentoren-Programme unterstützt werden.

Ziel des unternehmerischen sozialen Engagements ist es, so aktiv zu werden, dass die soziale Hilfe wieder beendet werden kann, weil die Menschen persönlich und sozial so aktiviert wurden, dass sie ein eigenverantwortliches Leben führen können und ihre Belange wieder in Eigenregie bewältigen können. Schließlich geht es darum, sozialen Aufstieg für Familien, Kinder und Jugendliche zu ermöglichen, um so die sozialen Spaltungen innerhalb der Gesellschaft zu verringern.

Dr. Michael Boecker ist Professor für Sozialmanagement und Wirkungsorientierung der Sozialen Arbeit am Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften der Fachhochschule Dortmund. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Wirkungsforschung und mikropolitische Spannungsfelder in der Sozialen Arbeit sowie aktuelle Entwicklungen in der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen. Darüber hinaus ist er in zahlreiche internationale Forschungsprojekte mit Kolleg:innen aus dem südlichen Afrika involviert.

Stephan Kohorst ist seit 1997 Geschäftsführender Gesellschafter der Dr. Ausbüttel & Co. GmbH in Witten. Er hat ein abgeschlossenes Studium der Betriebswirtschaftslehre in Münster und ist seit 1995 in dritter Generation im mittelständischen Familienunternehmen tätig. Einen Teil seiner Berufserfahrung hat er in einem internationalen japanischen Medizintechnikunternehmen gesammelt. Er ist Mitglied des Kuratoriums der Universität Witten/Herdecke.

Heiko Kleve (geb. 1969), Univ.-Prof., Dr. phil., Soziologe und Sozialpädagoge, ist Akademischer Direktor und Inhaber des WIFU-Stiftungslehrstuhls für Organisation und Entwicklung von Unternehmerfamilien am Wittener Institut für Familienunternehmen, Fakultät für Wirtschaft und Gesellschaft, Universität Witten/Herdecke. Er forscht, lehrt und berät zu Grundsatzfragen des Lebens, Aufwachens und der Sozialisation in Unternehmerfamilien sowie zur Familienstrategieentwicklung, Family Governance und innerfamiliären Kommunikation.